Tom Hardt Wandelndes Lexikon


Anmeldedatum: 27.10.2006 Beiträge: 4076 Wohnort: Irlich (Neuwied)
|
Verfasst am: 19.11.2007, 09:48 Titel: Bericht Kreispokal U-23 |
|
|
|
Höfer droht mit Rücktritt
Fußball: Unmut im Kreis über Wiedereingliederung von TuS Koblenz II in den Pokal-Wettbewerb
Im Fußballkreis Koblenz macht sich Unmut gegen den Verbandsspielausschuss breit. Der hat TuS Koblenz II unvermittelt wieder in den Kreispokal-Wettbewerb eingegliedert, obwohl der Verein aus Sicht des Kreises gegen die Spielordnung verstoßen hat.
KOBLENZ. Als Winfried Höfer am Samstag seine Post durchgesehen hat, ist er so ziemlich aus allen Wolken gefallen. Grund war ein Schreiben des Verbandsspielausschusses, das den langjährigen Sachbearbeiter des Fußballkreises Koblenz ernsthaft darüber nachdenken lässt, ob er seinen Posten an den Nagel hängen soll. In dem Brief wird Höfer quasi angewiesen, die zweite Mannschaft von TuS Koblenz wieder in den Kreispokal-Wettbewerb einzugliedern, obwohl er sie satzungsgemäß ausgeschlossen hatte. Ein Vorgang, der reichlich Sprengstoff in sich birgt. "Wie sich der Verband verhalten hat, können wir in keinster Weise akzeptieren", sagt Kreisvorsitzender Peter Löcher, der Höfer ausdrücklich den Rücken stärkt.
Der Hintergrund des Ganzen: TuS Koblenz II hatte in der zweiten Pokalrunde am 28. September im Spiel gegen den TuS Rhens (5:0) einen Spieler eingesetzt, dessen Pass nicht vorlag. Nach der Spielordnung des Fußballverbands Rheinland (Paragraph 38, Ziffer 5) hätte der Pass innerhalb von drei Tagen beim zuständigen Spielleiter - also Höfer - vorgelegt werden müssen. Was nicht geschah. "Nach der Frist von acht Tagen habe ich dann die Beteiligten darüber informiert, dass die TuS ausgeschlossen wird", sagt Höfer. Das Komplizierte an der Geschichte: Erst im Nachhinein hat Höfer erfahren, dass der Pass des Spielers beim Staffelleiter der A-Jugend Bezirksliga lag. "Für uns als Kreis spielt das aber keine Rolle, da die Spielordnung für eine solche Ausnahme keinen Raum gibt", springt Löcher dem Sachbearbeiter zur Seite. "Es wäre bei der Entscheidungsfindung hilfreich gewesen, wenn sich zwischenzeitlich jemand bei mir gemeldet hätte und man den Sachverhalt zumindest besprochen hätte", vermisst Höfer die Kommunikation mit dem Verein und dem Verband. "Die TuS hätte das doch eigentlich wissen müssen", wundert sich der Funktionär, "schließlich ist deren Zweite wegen eines fast ähnlichen Falls im Vorjahr Kreispokalsieger geworden." Weil er aber keinerlei Rückmeldung erhalten hatte und die nächste Runde ansetzen musste, kam TuS-Gegner Spvgg Bendorf automatisch in die Zwischenrunde, am Sonntag hätte nun das Drittrunden-Spiel gegen den SV Niederwerth stattfinden sollen.
Vereine stützen Höfer
Doch daraus wurde nichts, weil Höfer am Tag vor der Partie vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Weil der Verband als übergeordnete Instanz mit einer Verzögerung von acht Wochen dann doch tätig geworden ist und Fakten geschaffen hat, müsste Bendorf zunächst gegen TuS Koblenz II spielen. "Ob und wann diese Partie angesetzt wird, kann ich noch nicht sagen", ließ Löcher am Wochenende in einer E-Mail an alle Vereine wissen. Eine Kopie des Schreibens ist auch an FVR-Präsident Walter Desch und FVR-Geschäftsführer Armin Bertsch gegangen.
Mehr noch: Löcher will nun prüfen, inwieweit sich der Kreis gegen die Entscheidung des Spielausschusses wehren kann. "Wir werden uns nicht zufrieden geben, denn die Satzung lässt aus unserer Sicht keinen Spielraum zu", sagt der Kreischef, dem an der Gleichbehandlung aller Vereine gelegen ist.
Zustimmung hat er am Wochenende bereits von einigen Vereinen im Kreis erhalten. Unter anderem hat sich Helmut Klöckner in seiner Funktion als Vorstandsmitglied beim SV Niederwerth zu Wort gemeldet. "Hier entwickelt sich der Verdacht, dass im Hintergrund kräftig ,gearbeitet' wurde, um den Lapsus der TuS wieder glatt zu bügeln, damit der Verein im Pokal bleibt", schreibt Klöckner in einem offenen Brief an Desch. Und weiter: "Verlieren gehört zum Fußball - das gilt auch für die TuS."
Ähnlich äußert sich der Vorsitzende des FC Arzheim, Lothar Scherach, der den Ärger von Höfer versteht: "Er war in all den Jahren stets bemüht, die Probleme der Vereine im Sinne aller zu regeln. Wir haben selbst einmal in einer gleichgelagerten Situation ein Urteil des Verbandes akzeptiert und begriffen, dass Regeln nun einmal bestehen." Kurzum: Bei den Clubvertretern entsteht der Eindruck, dass der Verband eine "Lex TuS Koblenz" geschaffen hat, wie Klöckner anmerkt.
Hens als Vermittler?
Für Höfer jedenfalls ist die Sache klar. "Wenn der Verband das alles so durchzieht, ist für mich Schluss", sagt der Kreissachbearbeiter ohne Umschweife, "in meinem Alter muss ich mich nicht mehr wie ein kleiner Junge behandeln lassen." Worte, die Löcher aufschrecken lassen. Für den Fußballkreis-Chef wäre dies ein Schreckensszenario. "Er ist der Garant für den reibungslosen Spielablauf im Kreis, ich weiß nicht, wie es dann weitergeht", ergänzt Löcher, "das Ganze würde dann an mir hängenbleiben - und ich kann diesen Aufwand aus beruflichen Gründen nicht bewältigen." Immerhin, so hofft Löcher, "Winfried Höfer hat gesagt, dass es keinen Schnellschuss geben wird."
Und wie geht es nun weiter? Womöglich gerät nun sogar der Kreispokal in eine Schieflage, falls sich die Hängepartie um die TuS II hinzieht. Und die unbeteiligt in den Vorgang hineingeschlidderten Spvgg Bendorf und SV Niederwerth müssen sich weiter gedulden, wie sich der Fall entwickelt. Als Vermittler könnte womöglich Josef Hens als Vizepräsident des FVR - und ehemaliger Kreisvorsitzender - aktiv werden und versuchen, die Wogen an seiner alten Wirkungsstätte zu glätten. Hens wird gute Argumente brauchen, um die verärgerten Kollegen im Kreis zu besänftigen. Sven Sabock
Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz, Region Nord vom 19.11.2007, Seite 21. _________________ Fußball ist ein einfaches Spiel, nur die Anwesenheit des Gegners verkompliziert die Sache ungemein. |
|