chris Admin


Anmeldedatum: 13.10.2006 Beiträge: 6809 Wohnort: Koblenz-Güls
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Verfasst am: 17.07.2007, 09:49 Titel: Basler: "Ich stehe auf der anderen Seite" |
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Nahtlos ins Trainergefüge bei TuS Koblenz eingepasst
Basler: "Ich stehe auf der anderen Seite"
Die Verpflichtung von Mario Basler als Co-Trainer beim Zweitligisten TuS Kobenz hat für viel Wirbel gesorgt. Mittlerweile hat der Ex-Nationalspieler sein Amt angetreten - und fühlt sich im TuS-Tross pudelwohl, wie er in unserem Interview erklärte.
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Mario Basler fiebert seit kurzem auf der Trainerbank beim Zweitligisten TuS Koblenz mit. Foto: Thomas Fre
BAD BERTRICH. Die Mittagssonne knallt vom Himmel, im Talkessel des idyllischen Kurortes Bad Bertrich herrschen Saunatemperaturen. Auf der Terrasse des Hotels Fürstenhof indes lässt es sich aushalten. Spieler, Trainer und Betreuer des Zweitligisten TuS Koblenz sind zum Mittagessen in den Schatten geflüchtet.
Während die Spieler nach der Mahlzeit schnell die Zimmer aufsuchen, um zwischen zwei schweißtreibenden Trainingseinheiten etwas Ruhe zu finden, hocken die Trainer noch zusammen, beratschlagen sich, besprechen die nächste Einheit. Mit dabei auch Mario Basler. Seit rund einer Woche gehört der Ex-Nationalspieler zum Trainertross der TuS, im Gespräch schildert er seine ersten Eindrücke, spricht über den Trainerberuf allgemein und über sein Image als "Bruder Leichtfuß".
Eine Hitze wie in der Wüste - aber das dürfte Ihnen ja nichts ausmachen. Hat Sie der einjährige Katar-Aufenthalt in dieser Hinsicht wüstengestählt?
Ja, dort ist es die ganze Zeit über so heiß. Das Problem hier ist der Wechsel. Vor ein paar Tagen noch kühl, jetzt heiß. Aber immer noch besser, bei solch einem Wetter zu trainieren als bei Regen.
Sie haben leicht reden. Sie müssen ja nicht mitlaufen.
Ha, da haben Sie recht. Den Vorteil bringt das Trainerdasein natürlich mit sich. Als Spieler würde mir das sicher schwerer fallen.
Was hat Ihnen die Zeit in dem Emirat am Persischen Golf gegeben - als Fußballer, aber auch menschlich?
Für meine Familie war es eine tolle Lebenserfahrung. Zu sehen, wie die Lebensstrukturen in einem völlig anderen Land sind. Was den Fußball angeht, so war ich dort, um etwas mit aufbauen zu helfen. Katar ist ja fußballerisches Entwicklungsland. So wurden einige namhafte Spieler ins Land geholt, um den Fußball etwas voran zu bringen. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen.
Also alles in allem eine Erfahrung, die Sie nicht missen möchten?
Ganz gewiss nicht. Für meinen Sohn, der heute zehn Jahre alt ist, war das eine ganz wichtige Phase. Er hat dort innerhalb von drei Monaten perfekt englisch gelernt. Das hat ihm - zurück in Deutschland - sehr geholfen.
Hat der Aufenthalt in der Wüste auch Ihre Einstellung zum Trainerjob geändert. Hat Sie die Zeit reifer gemacht?
Ach nein, wenn man den Fußball dort und hier vergleicht, dann muss man sagen, dass es in Katar nach wie vor noch sehr unprofessionell zugeht. Da müssen die Strukturen erst noch wachsen. Diese beiden Fußballwelten sind nicht miteinander zu vergleichen.
Jetzt sind Sie in der Koblenzer Fußballwelt gelandet. Wie kam der Kontakt eigentlich zustande?
Ich kenne den Uwe Rapolder schon sehr lange und habe natürlich auch seinen Werdegang verfolgt. Wir haben uns öfters gesehen und auch miteinander telefoniert, und als das Angebot für Uwe mit TuS Koblenz kam, haben wir uns auch darüber ausgetauscht. Uwe hat mich dann auch gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in Koblenz zu arbeiten. Wir sind dann so verblieben, dass wir nochmal miteinander sprechen, wenn der Klassenverbleib der TuS gesichert ist. Ja, und dann haben wir nochmal eingehender zusammen geredet, und jetzt bin ich hier. Vor dem Hintergrund, dass ich meinen Fußball-Lehrer gemacht habe, ist das hier bei der TuS ein toller Einstieg. Ich möchte Uwes Führungsstil kennenlernen, Einblick in sein Trainingsprogramm bekommen. Sicher eine wertvolle Erfahrung. Schließlich möchte ich irgendwann auch wieder als Cheftrainer arbeiten.
War es eigentlich immer schon Ihr Wunsch, nach Ende Ihrer Spielerkarriere ins Trainerfach zu wechseln? Schließlich könnten Sie auf so Spielertypen treffen, die so sind, wie sie einmal waren - schwierig! Fürchten Sie das?
Nein, in erster Linie, weil es diese Typen wie Effenberg, Matthäus oder meine Wenigkeit schlichtweg gar nicht mehr gibt.
Woran liegt's?
Die heutige Generation ist einfach anders. Die Jungs sind viel vorsichtiger, es gibt heute ganz andere Kontrollmöglichkeiten. Wer heute als Fußballer im Rampenlicht steht, der steht doch unter ständiger Beobachtung.
Sie sehen auch kein Problem darin, heute als Trainer ernst genommen zu werden, obschon Sie als Spieler stets als "Bruder Leichtfuß" galten und Ihnen so etwas wie ein Clown-Image anhaftete?
Nein, ganz und gar nicht. Natürlich hat in meiner 15-monatigen Zeit als Trainer in Regensburg der eine oder andere versucht, mich hinters Licht zu führen. Aber da kann ich mit ruhigem Gewissen sagen: Er hat es nur einmal probiert! Ich denke, ich kann viele Situationen ganz gut einschätzen. Hinzu kommt, dass zwischen dem Spieler Basler und dem Trainer Basler ein großer Unterschied besteht.
Wo liegen denn Ihre Stärken als Trainer?
Ach, ich kenne den Fußball in- und auswendig, habe lange Jahre auf höchstem Niveau gespielt. Ich denke, auch der Uwe Rapolder wird sich etwas dabei gedacht haben, warum er mich hier zur TuS geholt hat. Sicher kann ich den Spielern viele Dinge mitgeben, die ich zu meiner Zeit vielleicht anders hätte machen können oder müssen, um noch mehr zu erreichen. Darüber hinaus kann ich den Spielern noch heute fußballspezifische Dinge vormachen, beim Schuss- oder Flankentraining etwa. Nicht zuletzt kann ich gerade den Spielern, die auf den Außenpositionen spielen, den einen oder anderen Tipp geben. All dies sind Dinge, die der Uwe Rapolder mit meiner Verpflichtung im Sinn gehabt haben wird.
Sie haben im Frühjahr ein Praktikum bei Schalke 04 unter Mirko Slomka absolviert. Wie lehrreich war das?
Sehr lehrreich. Ich wollte mal sehen, wie ein so junger Coach, der vom Co-Trainer zum Cheftrainer befördert wurde, die Mannschaft führt, wie er mit den Stars umgeht, wie er Fußball spielen lässt.
Also durchaus eine Parallele zu Ihrem Wirken. Auch Sie sind, für einen Trainer, noch jung an Jahren und streben ebenfalls irgendwann einmal das Cheftraineramt an...
...genau. Das ist ja kein Geheimnis. Irgendwann möchte ich auch wieder in der ersten Reihe stehen.
Nach einer Woche als Co-Trainer bei der TuS, wie sind Ihre Eindrücke von der neu formierten Mannschaft?
Ich denke, die Handschrift eines Uwe Rapolder ist schon jetzt erkennbar, er hat tolle Einkäufe getätigt. Es macht sehr viel Spaß, mit den Jungs zusammen zu arbeiten. Die Mischung zwischen Jung und Alt stimmt.
Die Zusammenarbeit im Trainerstab scheint von großer Sympathie und großem gegenseitigen Respekt geprägt zu sein. Ist das einstige "enfant terrible" Mario Basler insgeheim dann doch eher der Harmoniemensch, der ein Umfeld braucht, in dem er sich wohl fühlt?
Unbedingt! Wer mich wirklich kennt, der weiß, dass das schon immer so war. Man kann sich auf mich einhundert Prozent verlassen, man kann mit mir Pferde stehlen. Aber man muss auch wissen, dass ich ein Gerechtigkeitsfanatiker bin. Und ich bin jemand, der das offene Wort pflegt. Hintenrumrederei, Mauschelei - so was geht gar nicht. Das möchte ich der Mannschaft auch vermitteln, dass die Spieler mit dem Hintenrum heutzutage keine Chance haben. Als Typ musst du vorausgehen. Das möchte ich vorleben. Natürlich will ich auch für gute Stimmung sorgen - aber die Spieler müssen wissen: Den Fußballer Mario Basler gibt es nicht mehr. Ich bin jetzt auf der anderen Seite. Das müssen die Spieler respektieren, so wie ich jeden Spieler respektiere.
Das Gespräch führte Klaus Reimann
Quelle: RZ-Online - http://rhein-zeitung.de/a/sport/r/tus-1.html |
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